KI-Kompetenz, schwieriges Verhalten, große Unterschiede in einer Klasse: Der Blick auf hunderttausende Lehrkräfte zeigt, was Kollegien im Schulalltag wirklich beschäftigt. Im Interview verbindet Dr. Diana Knodel, Gründerin von fobizz, reale Nutzungsdaten mit dem Deutschen Schulbarometer 2026 und leitet daraus ab, wie Schulleitungen ihre Fortbildungsplanung datengestützt am tatsächlichen Bedarf ausrichten – mit KI als einem der stärksten Hebel zur Entlastung.
Frau Dr. Knodel, fobizz ist neben zahlreichen Fortbildungen bekannt für KI in der Schule. Wenn Sie auf Ihre Plattform schauen: Wonach suchen Lehrkräfte gerade wirklich?
Was uns selbst auffällt: Die Nachfrage folgt nicht dem Trend, sondern dem Alltag. KI-Themen laufen weiter stark, aber ähnlich stark sind Fortbildungen zu dem, was Lehrkräfte täglich im Klassenzimmer erleben: schwieriges Verhalten, belastete Kinder, sehr unterschiedliche Lernvoraussetzungen. Das ist für mich das eigentliche Signal: KI ist wichtig, aber sie ist nicht das Thema, das Schulen am meisten beschäftigt.
Deckt sich das mit dem, was Studien zeigen?
Sehr genau. Das aktuelle Deutsche Schulbarometer der Robert Bosch Stiftung zeigt, dass für 46 Prozent der Lehrkräfte das Verhalten der Schülerinnen und Schüler die größte Herausforderung ist, steigend seit Jahren. Diese Themen tauchen bei uns genau dort auf, wo Lehrkräfte sich gezielt weiterbilden. KI bleibt stark nachgefragt – aber sie steht eben neben diesen pädagogischen Themen, nicht über ihnen.
Warum ist das für Schulleitungen relevant?
Weil es die Prioritäten verschiebt. Eine Schulleitung, die ihr Kollegium stärken will, muss wissen, wo der Schuh wirklich drückt. Und der drückt heute weniger bei „Wie bediene ich ein neues Tool“ als bei der Frage „Wie gehe ich mit einer Klasse um, in der drei Kinder neurodivergent sind, eine Fluchterfahrung mitbringen und der Ton insgesamt rauer geworden ist“. Das Schulbarometer zeigt: Ein Viertel der Kinder und Jugendlichen ist psychisch belastet, Tendenz steigend. Darauf müssen Schulen ihre Personalentwicklung ausrichten.
Heißt das, KI ist für Sie durch?
Überhaupt nicht. KI-Kompetenz ist und bleibt der meistgenannte Fortbildungswunsch, und die Nutzung ist bei uns wie in den Studien stark gestiegen. Aber KI ist ein Werkzeug, kein Selbstzweck. Der eigentliche Hebel ist, Lehrkräfte zu entlasten, damit sie Zeit für genau die Dinge haben, die sich nicht automatisieren lassen: Beziehung, Begleitung, ein gutes Klassenklima. KI ist dann gut, wenn sie diese Zeit freispielt. Wir denken das Thema deshalb von
Anfang an zusammen mit Pädagogik, nicht getrennt davon. Das ist auch der Unterschied zu einem einzelnen Tool.
Was bedeutet das konkret für die Fortbildungsplanung an einer Schule?
Es ist wichtig, die Fortbildungsplanung wieder mehr in den Fokus zu rücken. Zu oft wird nach Bauchgefühl oder Zeit und Lust geplant. Was leider oft fehlt, ist ein klares Bild: Wo steht mein Kollegium wirklich: bei digitalen Kompetenzen, bei Differenzierung, im Umgang mit belasteten Kindern und natürlich auch im Bereich KI? Genau hier setzt die Schulentwicklung an, die es braucht – im besten Fall natürlich datengestützt.
Wir unterstützen das auch ganz praktisch: Eine Schule soll selbst erheben können, wo sie steht – etwa bei der KI-Kompetenz ihres Kollegiums – und sich, wenn sie möchte, mit vergleichbaren Schulen einordnen. Die Datenhoheit bleibt dabei vollständig bei der Schule. Aus diesem Bild lässt sich dann gezielt ableiten, welche Entwicklung sinnvoll ist und welche Fortbildungen für das Kollegium hilfreich sein können. Das Schulbarometer zeigt ja, dass sich Lehrkräfte genau diese Unterstützung bei der Schulentwicklung wünschen. Wir arbeiten gerade intensiv daran, Schulen und Schulleitungen dafür eine belastbare Grundlage zu geben.
Was möchten Sie den Schulleitungen mit auf den Weg geben, die Sie auf dem DSLK treffen?
Verschaffen Sie sich ein klares Bild davon, wo Ihr Kollegium wirklich steht: bei der Pädagogik und beim Umgang mit KI. Aus diesem Bild ergibt sich fast von selbst, was als Nächstes sinnvoll ist. KI gehört dabei ganz selbstverständlich dazu, sie kann bei einer guten Einführung und Begleitung einer der stärksten Hebel sein, um Lehrkräfte zu entlasten. Entscheidend ist nur, dass sie zum tatsächlichen Bedarf passt und nicht zum lautesten Trend. Kommen Sie gern mit uns ins Gespräch, an unserem Stand und in unserem Panel am Samstag zu KI im Kinder- und Klassenzimmer, das ich gemeinsam mit Silke Müller und Hannah Lesch gestalte. Ich freue mich auf den Austausch.
Über die Interviewpartnerin
Dr. Diana Knodel ist Gründerin und Geschäftsführerin von fobizz. Die Plattform entlastet Lehrkräfte mit KI-Tools, digitalen Werkzeugen und Fortbildungen und unterstützt Schulen bei der Digitalisierung. Über 650.000 Lehrkräfte und 10.000 Schulen nutzen fobizz bereits. Ihre Mission: Lehrkräfte entlasten und den verantwortungsvollen Einsatz von KI im Unterricht stärken.
DSLK-Panel I Samstag, 14. November 2026 I 8:30 – 9:30 Uhr
KI im Kinder- und Klassenzimmer
Chancen, Risiken und die Rolle von Schule und Eltern
Dr. Diana Knodel, Silke Müller und Hannah Lesch