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Finanzbildung: Das unterschätzte Startkapital

Anpfiff für finanzielle Bildung

Autorin: Kerstin Knoefel, Segmentleiterin Privatkunden bei Union Investment

Finanzielle Bildung ist der Schlüssel für ein selbstbestimmtes Leben. Sie beginnt im Elternhaus, braucht aber vor allem Unterstützung durch Schulen und Politik. Nur gemeinsam schaffen wir Chancengleichheit und sichern die Zukunft der nächsten Generation. Initiativen wie die Frühstart-Rente können dabei wichtige Impulse setzen.

Jedes Spiel beginnt mit einem Anpfiff. Doch ob am Ende ein Erfolg steht, entscheidet sich lange vorher: durch Vorbereitung, Training und das Verständnis für die Spielregeln. Für das Leben gilt nichts anderes. Wer früh lernt, verantwortungsvoll mit Geld umzugehen, verschafft sich beste Voraussetzungen für die Zukunft. Umso erstaunlicher ist es, dass finanzielle Bildung in Deutschland noch immer nicht den Stellenwert hat, den sie verdient.

Dabei geht es um weit mehr als Rendite, Zinsen oder Aktien. Finanzielle Bildung schafft Sicherheit. Sie eröffnet Chancen und befähigt junge Menschen, ihre Zukunft selbstbestimmt zu gestalten. Sie vermittelt die Kompetenz, finanzielle Entscheidungen bewusst zu treffen – vom ersten Gehalt über die eigene Wohnung bis hin zur Altersvorsorge. Wer die Spielregeln der Finanzwelt kennt, bewegt sich souveräner auf einem Spielfeld, das immer komplexer wird.

Der erste Anstoß erfolgt meist im Elternhaus. Eltern können ihren Kindern kaum etwas Wertvolleres mitgeben als finanzielle Orientierung und damit weit mehr als „nur“ eine Sparstrategie. Dies schafft Vertrauen, vermittelt Verantwortung und legt das Fundament für Selbstbestimmung, Chancengleichheit und finanzielle Sicherheit.

Doch gute Vorbereitung darf keine Frage des Elternhauses sein. Nicht jede Familie verfügt über das notwendige Wissen oder die Möglichkeiten, finanzielle Themen selbstverständlich im Alltag zu vermitteln. Deshalb reicht es nicht, die Verantwortung allein den Eltern zuzuschreiben. Finanzielle Bildung ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Dass hier Handlungsbedarf besteht, zeigt auch eine aktuelle Studie. Acht von zehn Befragten halten Finanzbildung für wichtig oder sehr wichtig für ihren persönlichen Lebensweg. Gleichzeitig ist rund die Hälfte der Meinung, dass das Thema in den Schulen bislang nicht ausreichend vermittelt wird. Viele sehen die Verantwortung derzeit noch bei den Familien. Gleichzeitig wächst – insbesondere bei jungen Menschen – aber die Erwartung, dass Schulen und Bildungspolitik künftig deutlich stärker Verantwortung übernehmen.

Genau das ist der richtige Weg. Schulen erreichen alle Kinder – unabhängig von ihrer Herkunft. Sie können die Basis legen, auf denen Eltern aufbauen. Und auch die Wirtschaft sollte ihre Erfahrung einbringen und Finanzwissen verständlich, lebensnah und praxisorientiert vermitteln. Erst wenn alle Akteure zusammenspielen, entsteht Schritt für Schritt ein tragfähiges Fundament für die nächste Generation.

Die geplante Frühstart-Rente und das Altersvorsorgedepot könnten dabei weit mehr sein als eine Reform der privaten Altersvorsorge. Sie haben das Potenzial, den Anpfiff für eine breitere gesellschaftliche Auseinandersetzung mit Finanzthemen zu geben. Wenn Eltern beginnen, sich mit Vermögensaufbau, langfristigem Sparen und staatlicher Förderung zu beschäftigen, profitieren häufig auch ihre Kinder. Aus einer politischen Initiative könnte so ein Impuls für mehr Finanzkompetenz entstehen.

Die Zukunft unserer Kinder entscheidet sich nicht allein im Klassenzimmer – und auch nicht allein am Küchentisch. Sie entscheidet sich dort, wo Wissen vermittelt, Verantwortung übernommen und Chancen eröffnet werden. Es ist Zeit für den Anpfiff für Finanzbildung. Denn wer früh finanzielle Bildung vermittelt, gibt der nächsten Generation das Rüstzeug, die Herausforderungen des Lebens selbstbewusst und erfolgreich zu meistern.

Diskutieren Sie gerne mit uns über Herausforderungen im Klassenzimmer oder am Küchentisch, wenn es um Geld und Finanzen geht – an unserem Stand im Foyer oder bei unserer Masterclass. Gemeinsam mit unserem Gast, Fußball-Weltmeister und TV-Experte Christoph Kramer, freuen wir uns auf den Gedankenaustausch mit Ihnen.

Über die Autorin:
Kerstin Knoefel, Segmentleiterin Privatkunden bei Union Investment

Vita:
Kerstin Knoefel leitet seit 2023 das Segment Privatkunden. Seit 2025 ist sie zudem Geschäftsführerin der Union Investment Privatfonds GmbH. Sie begann im Jahr 1996 bei Union Investment als Vertriebskoordinatorin. Im Jahr 2000 übernahm sie die Leitung der Gruppe. Zuletzt war sie 13 Jahre Abteilungsleiterin des Vertriebs- und Vermarktungsmanagements.

Foto: © Union Investment