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From Zero to Hero

Das ist der Schlüssel für erfolgreiches Lernen Werde dein eigener Superheld

Ali Mahlodji weiß, wie man mit dem Rücken zur Wand stehend Chancen erkennt und diese zu Toren verwandelt. Er kam als Flüchtling Europa, wuchs im Flüchtlingsheim auf, war stotternder Schulabbrecher und Job-Hopper mit über 40 Jobs. Trotzdem schaffte er es an die Managementspitze eines US-Konzerns, beschloss nach einem Burnout, seinem Leben einen Sinn zu geben und widmet sich seitdem der Lebenswelt der Jugend. Die Europäische Union ernannte ihn zum EU-Jugendbotschafter auf Lebenszeit, und die UN zeichnete seine Arbeit mit dem UN World Summit Award aus. Er erzählt seine persönliche Story und gibt Einblicke, wie man in Rückschlägen die Chancen erkennt und warum die Krise unser bester Freund ist.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Herr Mahlodji, Sie sind in diesem Jahr als Referent beim Deutschen Schulleitungskongress dabei. Bitte umreißen Sie kurz, was die Teilnehmenden in Ihrem Vortrag erwartet.

Mahlodji: In meinem täglichen Job geht es darum, zwischen der Welt der Bildung und der Wirtschaft, also der Welt der Jugendlichen und der Welt der Erwachsenen dort draußen, zu vermitteln. Ich möchte, dass die ganzen Schulleitungen in dem Vortrag sehen, wie sich die Bildungswelt radikal verändert hat, auch im Gegensatz zu der Welt da draußen. Und was ist die neue Aufgabe im Bereich Bildung, wie müssen wir die Welt neu sehen, wie müssen wir die Perspektive wechseln und was sind die wichtigsten Dinge, die wir heute in einer Schule den Menschen mitgeben müssen. Warum ist auch die Rolle von Lehrerinnen und Lehrern und auch Schulleitungen heute wichtiger denn je.

Sie haben kurz vor dem Abitur die Schule geschmissen, warum?

Mahlodji: Als ich 13 Jahre alt war, haben sich meine Eltern scheiden lassen, das war für mich ein Schock und ich habe begonnen zu stottern. Ich habe, bis ich 25 Jahre alt war, gestottert. Und gerade wenn du stotterst, dann hast du Angst vor der Schule, weil du oft ausgelacht wirst. Deshalb habe ich oft die Schule geschwänzt und hatte unfassbar schlechte Noten. Und da hat einmal jemand zu mir gesagt: „Naja, also irgendwie bekommst du das nicht mehr hin.“ Und da war ich dann so demotiviert, dass ich die Schule hingeschmissen habe.

Trotz des Schulabbruchs haben Sie an der Managementspitze eines großen Unternehmens gestanden, was brachte für Sie
die Wende?
 
Mahlodji: Interessanterweise, als ich die Schule hingeschmissen hatte, habe ich einen Putzjob begonnen. Ich hatte über 40 Jobs in meinem Leben, bis jetzt. Zufällig habe ich eines Tages meinen ehemaligen Lehrer getroffen, der mich daran erinnert hat, dass ich zwar schlechte Schulnoten hatte, aber im Fach Informatik unfassbar gut war. Sogar besser als unser Lehrer. Dieser Lehrer damals hat mich daran erinnert,
dass es eine Sache gibt, die mich unfassbar interessiert und mich ermutigt, eine andere Schule zu besuchen, und zwar eine Abendschule
für Informatik. Als ich diesem Hinweis von ihm gefolgt bin, habe ich zum ersten Mal in meinem Leben etwas gemacht, was mich wirklich interessiert – nämlich Informatik. Und plötzlich habe ich die Schule absolviert und danach sogar in dem Bereich studiert und meinen Bachelor
in zwei Jahren geschafft. Das brachte die Wende: zu verstehen, was ich gut kann und mich nicht nur auf das zu fokussieren, worin ich schlecht bin, sondern auf meine Stärken und plötzlich ging alles durch die Decke.
 
Was ist ihr großes Motivationsgeheimnis? Können Sie den Teilnehmenden bereits im Vorfeld einen Tipp geben, wie sie sich immer wieder aufs Neue motivieren und Krisen als Chance sehen können?
 
Mahlodji: Meine große Motivation ist, dass ich weiß, dass meine Lebenszeit einzigartig und endlich ist. Zu wissen, dass diese Lebenszeit, die ich geschenkt bekommen habe, eines Tages vorbei ist, motiviert mich unfassbar, sie zu nutzen. Ich habe die ganze Welt gesehen und bin
in einem Flüchtlingsheim aufgewachsen. Zu sehen, was wir in Deutschland, Österreich und der Schweiz eigentlich für einen Wohlstand haben, es uns an Essen und Trinken und einem Dach über dem Kopf nicht fehlt, motiviert mich ungemein dieses Leben als Privileg zu sehen. Das
heißt, was ich den Teilnehmenden mitgeben möchte, ist, dass sie ihr Leben als Privileg sehen sollten, und verstehen, dass Chancen und Krisen, wie auch im Sport, jede Hürde ein Wachstumsfeld sein kann. Das heißt alles, was in meinem Leben problematisches passiert oder schief
gegangen ist, beispielsweise der Tod von geliebten Menschen, habe ich als Anlass genommen, mir die Frage zu stellen: Wofür ist das eine Gelegenheit? Was will mir das Leben jetzt beibringen? Wenn man das einmal realisiert hat, versteht man auch, wie Lernen funktioniert. De facto braucht man dann auch keine Motivation, allein zu wissen, dass ich ungefähr 100 Jahre alt werde, ich bin jetzt 40, habe also noch 60
Jahre vor mir – das ist eine unglaubliche Motivation für mich.
 
Vielen Dank für das inspirierende Interview, Herr Mahlodj! 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
ali-mahlodji

Über den Autor

Ali Mahlodji ist studierter Experte für Verteilte Computersysteme und hatte Managementpositionen bei Siemens und beim internationalen Tech-Konzern Sun Microsystems inne und wurde 2x unter die Top50 High Potential Österreichs gewählt. In seiner Rolle als Experte für Arbeit und Bildung inspiriert und begleitet er Führungskräfte und HR-Teams bei der Weiterentwicklung ihrer Kompetenzen. Seine Erkenntnisse gibt er als Keynote Speaker, Trainer und 4-facher Autor weiter. Bisher erreichte er mit seinen über 1000 Keynote über einen halbe Million Menschen in mehr als 30 Ländern. 

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